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10 Jahre al

Während kaum ein Studierender heutzutage mehr als 15 Semester schafft, hat die alternative liste nun schon 20 auf dem Buckel. Kurz: Wir freuen uns, dass die al in diesen Tagen 10 Jahre alt wird. Wir wagen einen kurzen Rückblick – und der beginnt vor 11 Jahren, im Streiksemester 1997/98.

In Hessen nahm aufgrund der unmöglichen Studienbedingungen (heute mindestens noch genauso schlecht, wobei wir jetzt auch noch Gebühren zahlen müssen), ein Studierendenstreik seinen Anfang. Der medial mit viel Sympathie begleitete Streik breitete sich rasch in der ganzen BRD aus – so auch in Bochum. Drei Wochen lang fielen an der Uni Veranstaltungen aus, andere fanden in der Stadt an alltäglichen wie prominenten Orten (U-Bahn, Regionalexpress oder Fußgängerzone sowie Schauspielhaus, Rathaus und Landtag) statt, und die Studis hatten die Muße, endlich einmal grundlegend über Studieninhalte und eigene Wünsche nachzudenken und hierüber (öffentlich) zu diskutieren. Für die damals Aktiven war das eine ungeheuer spannende und inspirierende Zeit. Sehr viele Studierende wollten auch nach Ende des Streiks weiter aktiv bleiben. Viele Legenden spinnen sich bis heute darum, warum dieses Bedürfnis zunächst in der Gründung der Linken Liste kulminierte... Tatsache war: Über 200 Studierenden gründeten im Streik diese Liste, die nur vier Wochen später im Januar 1998 als stärkste Gruppierung aus der SP-Wahl hervorging.

Die Linke Liste trat in den Allgemeinen Studierendenausschuss ein und stellte zahlreiche ReferentInnen. Nur leider gab es ganz unterschiedliche Interessen innerhalb der Liste: 200 Menschen von heute auf morgen in einer Gruppe auf einen Nenner zu bringen, ist eben nicht gerade einfach. Im Laufe des AStA-Jahres erwies sich dieses Kunststück innerhalb der Linken Liste als zu schwierig, und für rund 30 Menschen wurden die Gegensätze zwischen den unterschiedlichen Strömungen zu groß. Lieber wollte mensch in einem kleineren, selbstbestimmten Zusammenhang agieren. Insbesondere hochschulpolitisch Engagierte, kulturinteressierte sowie ökologieorientierte Menschen mit linksalternativem basisdemokratischen Politikverständnis waren darunter. Die alternative liste war geboren.

Schwerpunkte der Arbeit waren von Beginn an Kultur, Ökologie und Hochschulpolitik. Und dies hat sich bis heute nicht geändert. Bei den SP-Wahlen 1999 erhielt die al aus dem Stand heraus immerhin drei Sitze, kam aber nicht in den AStA. Und das war in diesem Fall ein Glück – amtierte zu dieser Zeit doch „dank“ einiger Jusos ein chaotischer Studierendenausschuss, der nach nur sieben Monaten zerbrach und – wie zuletzt 2007 unter anderem auch durch fahrlässige Fehlkalkulationen bei einer Party in der Mensa – ein Riesenfinanzloch hinterließ. Nach vorgezogenen Neuwahlen bildete die al dann zusammen mit der Linken Liste und der Fachschafteninitiative (FSI) den AStA. Die Dreierkoalition konnte den ruinierten Haushalt wiederherstellen, brachte mehr Leben ins KulturCafé, verbesserte den Service und unterstützte verstärkt soziale, kulturelle und politische Initiativen.

2002 gab es dann einmal mehr Streikaktivitäten – diesmal auf Landesebene, als die rot-grüne NRW-Regierung im Begriff war, schönfärberisch als „Studienkonten“ bezeichnete Gebühren einzuführen. Leider konnten auch mehrwöchige landesweite Proteste diese nicht verhindern. Gerade in jener Zeit fanden jedoch immer mehr vor allem hochschulpolitisch interessierte Menschen zur alternativen liste, was sich auch in den Wahlergebnissen niederschlug. So wurde die al 2003 erstmals stärkste Liste und stellte den AStA-Vorsitz.

2005 begann an der Uni die Phase rasch wechselnder Konstellationen im Studierendenausschuss. Zwei fast ausschließlich von Partei-Hochschulgruppen gestellte Chaos-ASten schadeten 2005 und 2007 dem Engagement vieler Initiativen und vor allem den AStA-Finanzen. Eine einzige Party des RCDS-LHG-RUB-Rosen-AStAs vor einem Jahr mit einem Defizit von 250.000 Euro (!) brachte die Bochumer Studierendenschaft auf Jahre hinaus in Finanznot. Mit der einzigen Ausnahme der 2007 nicht an der AStA-Bildung beteiligten Grünen Hochschulgruppe scheint es gerade in der politischen „Logik“ der (Bochumer) Partei-Jugendorganisationen zu liegen, den AStA-Haushalt ruinieren...

Nicht ohne Erwähnung sollte die Einführung der allgemeinen Studierendengebühren bleiben, gegen die sich mit Beteiligung zahlreicher Aktiver der alternativen liste 2006 nachdrückliche Proteste erhoben. Ohne jede öffentliche Diskussion wollten vor allem das Rektorat und die ProfessorInnen die maximal mögliche Gebührensumme von 500 Euro im Senat der RUB durchdrücken. Dagegen wandten sich am Tag einer u. a. hierzu anberaumten Senatssitzung vom 27. April 2006, der somit zum Protesttag wurde, Studierende und Gewerkschaften gemeinsam. Die Teilnahme von Studis an der Entscheidung des Senats wurde gar mit einem gewalttätigen Polizeieinsatz unterbunden. Das erschreckte viele, war es doch früher Teil einer ansatzweise demokratischen Kultur an der RUB, derartige Debatten unter Einbeziehung der Studierenden zu führen. Zwar gelang es im Mai 2006 noch, eine von allen Statusgruppen der Ruhr-Uni initiierte landesweite Demo für freie Bildung zu organisieren, an der fast 10.000 Menschen teilnahmen. Doch nach der Gebühreneinführung am 18. September 2006 wurden schließlich auch die Protestaktivitäten im acht Monate lang durch die Studis, die sich den Namen Freie Uni Bochum gaben, genutzten leerstehenden Querforum West, dem heutigen „Tutorienzentrum“ vor MA, Ende Januar 2007 abermals durch einen massiven Polizeieinsatz beendet.

Die „unternehmerische Hochschule“ hat in den vergangenen 10 Jahren leider auch in Bochum Gestalt angenommen. Zentrales Ziel ist es, möglichst viel Geld zu aquirieren, statt gute Bildung anzubieten. Die Studierendenzahlen verminderten sich durch die Einführung der Gebühren um rund 20 Prozent. Die Qualität der Lehre litt zudem durch die Umstellung auf verschulte „gestufte Studiengänge“, die heute oft mehr aus einer Aneinanderreihung von Prüfungen bestehen, statt dem ursprünglichen universitären Anspruch einer gemeinsamen Aneignung von Wissen und Bildung gerecht zu werden.

Wir fordern daher weiterhin eine aus öffentlichen Mitteln finanzierte, offene und demokratische Hochschule. Vielleicht sind die Bedingungen dafür gerade heute gar nicht mal so schlecht: Mit der sich wiederholt abzeichnenden Pleite der Privatuni Witten-Herdecke und der weltweiten Finanzkrise ist das Auslaufmodell einer total vermarkteten Gesellschaft an seine Grenzen und möglicherweise bald an sein Ende gekommen. Hoffen wir also, dass nicht erst zum 20jährigen Bestehen der alternativen liste Bochum eine gebührenfreie, gut finanzierte Hochschule hat, die eine gemeinschaftliche Bildung ermöglicht, die kreativ und kritisch ist!

Listentreffen

Die alternative liste trifft sich momentan dienstags um 18.00 Uhr im AStA-Flur, um danach in eine passende Räumlichkeit zu wechseln.

Wir freuen uns, wenn ihr vorbei kommt!

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