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VSPL: das System zur Verzögerung von Studien- und Prüfungsleistungen - ein Kommentar

Jeder, der an der Ruhr-Universität begonnen hat zu studieren, kennt VSPL - und findet es grauenhaft. Denn jedes Mal, wenn die Kurse für das neue Semester bekannt gegeben werden, und alle Studis etwa zur selben Zeit ihre Stundenpläne zusammenstellen, bricht das System zusammen.

Dann dauert es häufig mehrere Minuten, bis die nächste Seite geladen ist, und es ist problemlos möglich, mehrere Stunden daran zu verschwenden. Wer sich diese Mühe nicht macht, sondern lieber wartet, bis sich der Ansturm wieder etwas gelegt hat, findet ausgebuchte Kurse und abgelaufene Anmeldefristen. Meistens gibt es daher ein Losverfahren für die verfügbaren Kursplätze, an dem Alle, die sich fristgerecht angemeldet haben, teilnehmen. Während dies theoretisch ermöglicht, auch spät noch Kursplätze zu bekommen, wird es spätestens dann zum Problem, wenn nur noch ein bestimmter Kurs für den Abschluss benötigt wird, aber jedes Semester auf’s neue eine Niete bekommt. Denn ohne Kurs kein Abschluss. Es gibt zwar meistens andere Kurse, mit denen die Lücke gefüllt werden kann, von selbst bestimmtem Zugang zu Bildung bleibt dabei aber keine Spur.

Meistens sind dies die größten Probleme, die man bei VSPL bemerkt, aber es sind nicht die Einzigen. Denn bei manchen Menschen kommt es auch vor, dass Anmeldungen zu Kursen nachträglich wieder verschwinden, ebenso wie Klausuranmeldungen oder Anträge zur Befreiung von Studiengebühren bereits spurlos verschwunden sind. Das passiert natürlich nur in Einzelfällen, jedoch basiert VSPL auf einer einzigen, zentralen Datenbank, in der nahezu sämtliche Daten über alle Uniangehörigen gespeichert sind. Es ist also durchaus möglich, dass bereits erreichte Creditpoints oder auch der ganze Studienverlauf von Studierenden ebenfalls verschwinden. Außerdem erlaubt das Hochschulgesetz NRWs diversen Personen und Institutionen nahezu unbeschränkten Einblick in die Daten der Studierenden, die in dieser Datenbank bereits zentral online verfügbar sind.

Diese eklatante Missachtung des Datenschutzes wird noch dadurch übertroffen, dass viele Professoren die Dateneingaben von Hilfskräften erledigen lassen. Während es völlig verständlich ist, dass jemand von dem EDV-Flickwerk überfordert ist oder aus anderen Gründen den Umgang damit verweigert, ist es völlig unakzeptabel, auf diese Weise Studis vollen Zugriff auf sämtliche Daten ihrer Kommilitonen zu geben.

Jeder dieser Punkte sollte einen verantwortungsbewussten Administrator dazu bewegen, das Programm vom Netz zu nehmen, bis die Probleme damit gelöst sind. Nicht jedoch die Univerwaltung: dort werden sämtliche Einwände mit dem Hinweis auf "Wettbewerbsfähigkeit" oder "Exzellenz" abgetan. Das der Zustand der elektronischen Verwaltung beidem nicht zuträglich ist, sollte auch dort jedem klar sein. Schließlich stiehlt das System nicht nur den Studis Zeit und Nerven sondern auch den Verwaltungsangestellten, die sich damit herumschlagen müssen. Daher dürfte der wahre Grund für diese Reaktion wohl eher darin bestehen, dass man den Verantwortlichen den Rücken deckt, um diesen die notwendigen Konsequenzen aus der millionenschweren Fehlinvestition zu ersparen. Denn bislang hat VSPL deutlich mehr als zehn Millionen Euro gekostet, die teilweise aus Studiengebühren finanziert wurden. Die Gebührenfinanzierung wurde mittlerweile von den studentischen Senatsangehörigen unterbunden, da sich der Betrieb von VSPL definitiv nicht mit einer Verbesserung der Lehre gleichsetzen lässt. Das führte aber nicht zu einem Einsehen, sondern nur zu der Idee, dass man doch Studiengebühren wirklich gut dafür einsetzen könnte, VSPL zu verbessern. Dabei ist intern längst klar geworden, dass eine ernsthafte Verbesserung frühstens in fünf Jahren zu erwarten ist.

Deshalb bleibt uns bis auf weiteres nichts anderes übrig, als alle darauf hinzuweisen, dass der Studiausweis mit Chip, die Grundlage von VSPL, ein freiwilliges Pilotprojekt ist, zu deren Nutzung niemand gezwungen werden darf. Daher steht es jedem frei, die Nutzung von VSPL zu verweigern und von der Verwaltung zu verlangen eine andere Lösung zu finden. Das könnte mit dazu beitragen, den Verantwortlichen klar zu machen, dass ihr es nicht in Ordnung findet, als Testpersonen für ein unqualifiziertes Programm zu dienen. Und solange keine akzeptable Lösung für alle angesprochenen und noch auftauchenden Probleme gefunden worden ist, werden wir weiterhin daran arbeiten, Verbesserungen zu bewirken - entweder bis ein funktionierenden, sicheres, akzeptables System geschaffen worden ist oder die jetzige Katastrophe abgeschaltet wurde.

Listentreffen

Die alternative liste trifft sich momentan dienstags um 18.00 Uhr im AStA-Flur, um danach in eine passende Räumlichkeit zu wechseln.

Wir freuen uns, wenn ihr vorbei kommt!

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