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Synagogenbau in Bochum - Die Rechte demonstriert
Immerhin schon 65 Jahre nachdem die Bochumer Synagoge in der Reichspogromnacht zerstört wurde, ermöglichte die Stadt im Oktober durch die Übertragung eines Grundstücks den Neubau einer Synagoge. Der rechtsextremen Szene in Bochum und Umgebung ist das natürlich ein Dorn im Auge - der NPD-Landesverband hat bereits eine Demo gegen den Synagogenbau für den 13. März angemeldet.
Im Ruhrgebiet sind Naziaktivitäten leider schon fast alltäglich. In Dortmund und im angrenzenden Sauerland gibt es eine florierende Naziszene, wie zuletzt im Rahmen der Wehrmachtsausstellung im Herbst deutlich wurde. Zwei große Nazidemos mit bis zu tausend TeilnehmerInnen marschierten durch Dortmund, rechte Organisationen verteilten täglich Flugblätter vor dem Museum und der DVU gelang es sogar, zwei Veranstaltungen im Inneren des Museums durchzuführen.
Florierende Naziszene im Ruhrgebiet
Ganz so stark ist die Naziszene in Bochum noch nicht, aber auch hier gab es in der Vergangenheit häufiger rechte Übergriffe - die sogenannten „Prügelpartys", bei denen obdachlose Jugendliche in Wohnungen eingeladen und dort brutal mißhandelt wurden, sorgten 2002 für bundesweite Schlagzeilen. Erst im vergangenen Winter gab es in der Bochumer Innenstadt und in Langendreer (zum ersten Mal seit 1989) insgesamt drei Naziaufmärsche. Auch an jüdischen Einrichtungen vergingen sich Neonazis: Auf dem jüdischen Friedhof in Bochum wurden Hakenkreuze gesprayt und die Erinnerungstafel für die alte Synagoge in der Huestraße wurde kurz vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht im November 2002 beschädigt.
Bochum hatte zu Zeiten der Weimarer Republik eine große jüdische Gemeinde mit über tausend Mitgliedern. In der Nazizeit gelang es vielen Bochumer Juden und Jüdinnen rechtzeitig aus Deutschland zu fliehen, so daß 1941 nur noch etwa 250 BochumerInnen der jüdischen Gemeinde angehörten. Die allermeisten von ihnen wurden in Theresienstadt und Auschwitz ermordet, im Februar 1946 lebten gerade einmal 33 Juden und Jüdinnen in Bochum. Die jüdische Gemeinde blieb sehr klein, bis nach 1990 verstärkt Menschen jüdischen Glaubens aus der ehemaligen Sowjetunion ins Ruhrgebiet zogen. Heute hat die jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen rund tausend Mitglieder und ist die zweitgrößte Gemeinde Westfalens - mit dem geplanten Neubau verfügt sie bald wieder über eine eigene Synagoge.
Bürgerlicher Antisemitismus bietet Anknüpfungspunkte
Die Kosten für den Neubau der Synagoge betragen etwa sechs Millionen Euro, die jeweils zu einem Drittel von der jüdischen Gemeinde, der Stadt und dem Land aufgebracht werden sollen. Das Grundstück an der Castroper Straße, neben dem Planetarium, wurde der jüdischen Gemeinde von der Stadt übertragen. Für die rechtsextreme Szene ist der Neubau der Bochumer Synagoge ein willkommener Anlass, um in Bochum verstärkt aktiv zu werden. Über das Thema Geld versuchen sie, latente antisemitische Klischees der Bevölkerung zu bedienen und zugleich die völkische Karte zu spielen. Am 13. März demonstriert die NPD in Bochum unter dem Motto „Stoppt den Synagogenbau - 4 Millionen für’s Volk!". Neonazistische Kreise meinen schon länger, eine bevorzugte Behandlung von Juden und Jüdinnen erkennen zu können und reden von „abkassieren", wenn Holocaustüberlebende und ZwangsarbeiterInnen nach über 50 Jahren mit einer denkbar geringen Entschädigung abgespeist werden.
In ihrer Propaganda gegen den Neubau der Synagoge versuchen die Rechtsextremen einen Anknüpfungspunkt zu bürgerlichen Parteien zu finden: In Zeiten allgemeiner Kürzungen solle der städtische Zuschuss lieber für deutsche Kinder in deutschen Kindergärten verwendet werden. Ein Hohmann wäre nicht nötig gewesen, um abzusehen, dass diese Annäherungsversuche nicht auf unfruchtbaren Boden fallen.
Für einen aktiven und bündnisbereiten AStA
Das weckt unangenehme Erinnerungen an die Naziaufmärsche im vergangenen Winter: Die drei Naziaufmärsche zwischen Weihnachten 2002 und Februar 2003 wurden vom offiziellen Bochum zunächst totgeschwiegen. Anscheinend hoffte man durch den Verzicht auf Gegenmaßnahmen und Berichte in der Presse den Nazis die Lust an Aufmärschen zu nehmen - damit wurde jedoch das Gegenteil erreicht, schließlich wurde es den Rechten nirgendwo so einfach gemacht. Durch einen Zusammenschluss vieler Initiativen, den die alternative liste über den AStA mit angestoßen hatte, wurde die Stadt unter Druck gesetzt und hat sich schließlich doch an den Protesten gegen den dritten Aufmarsch beteiligt.
Im ungünstigen Fall gibt es somit im März eine Nazidemo gegen den Synagogenbau, ohne dass sich Parteien und Gewerkschaften an Gegendemonstrationen beteiligen. Aber soviel ist schon klar: Es wird am 13. März auf jeden Fall eine Gegendemonstration in Bochum geben, an der sich hoffentlich auch der AStA und viele Studierende beteiligen!





