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Lobbyismus Wochen an der RUB
Nachdem vor einigen Monaten eine große Röhre der Pharmaindudstrie deren Fortschrittlichkeit beweihreäucherte, drängen jetzt die nächsten Lobbygruppen auf den Campus
Vor dem Audimax hat sich der Kohle- und Atomenergiekonzern RWE mit einem aufblasbaren Zelt breitgemacht und versucht Aufmerksamkeit für seine vermeintliche Zukunftsträchtigkeit zu erhaschen. Parallel dazu veröffenlichten einige Professoren der Wirtschaftswissenschaften, dass sie Studiengebühren sozial gerecht fänden. Sowohl Studiengebühren als auch unökologische Energieformen waren bislang durch die schwarzgelbe Landesregierung geförderte Projekte und stehen nun hoffentlich vor dem Aus. Zufällig zeitgleich gibt der Pressesprecher der RUB, der Rektor Weiler direkt unterstellt ist, der WAZ ein Interview, in dem auf die Notwendigkeit der Studiengebühren hingewiesen wird. Er legt Wert auf die Feststellung, dass die Proteste abgenommen habe und die Akzeptanz unter den Studierenden erreicht sei. Begründung: „Die Leute zahlen ihre Beiträge, sonst werden sie exmatrikuliert.“
Verkommt die RUB zum Lobbyloch?
Sollte Weilers Amtszeit jetzt verlängert werden, (Gegenkandidaturen gibt es keine) müssen wir wohl damit rechnen, dass sich solche "zufälligen" Überschneidungen auch zukünftig häufen. Die kath. Theologie belegt, dass es Jesus nicht geschadet hat, geschlagen zu werden, folglich müsste es ein auch heute probates Mittel in der Pädagogik sein. Germanisten könnten fordern, dass Gesetzestexte zukünftig in Prosa formuliert werden müssten. Die Psychologen könnten feststellen, dass die meisten Krankheiten ohnehin nur eingebildet seien und daher zukünftig nur noch Placebos benötigt würden. Und in dieser Logik sind Studiengebühren für Wirtschaftsprofessoren eben sozial gerecht.
Wir meinen
Marktwirtschaftliche Selektionsmechanismen helfen nicht ein gerechtes Bildungssystem zu erreichen. Auch sozial "abgefederte" Studiengebühren schrecken Menschen aus einem finanziell schlechter gestellten Umfeld vom Studium ab. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs: Selbst konservative Gruppen haben festgestellt, dass nirgendwo in Europa die Bildungssituation so stark vom Elternhaus abhängig ist. Darum fordern wir freie und selbstbestimmte Bildung für alle, von der KiTa bis zum Seniorenstudium.





