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» Ökologie
Sie sind hier: alternative liste » PCB: Sanierungsfall Ruhr-Uni
Gesundheitsbelastungen an der Uni ? Wer informiert Studierende?
PCB: Sanierungsfall Ruhr-Uni
Seit März werden an der Ruhr-Universität zum ersten Mal die Raumluftkonzentrationen von polychlorierten Biphenylen (PCB) gemessen. Das Ergebnis konnte aufgrund der Bauzeit der Ruhr-Universität (60er Jahre) nicht wirklich überraschen: Die PCB-Werte liegen nahezu überall über dem gesetzlichen Vorsorgewert.
Während des Baus der RUB Mitte der sechziger Jahre wurde PCB als Weichmacher in dauerelastischen Fugen, sowie in Brandschutzanstrichen benutzt. Die Toxizität von PCB ist seit den Dreißigern bekannt und die Verwendung beim Bau ist mittlerweile verboten. PCB steht im Verdacht krebserregend zu sein und sich fruchtschädigend auszuwirken. Nach dem Arbeitsschutzrecht reicht bereits die Überschreitung des Vorsorgewertes (300nm/m³, d.h. es liegt eine zu hohe Raumluftkonzentration vor, Sanierungsmaßnahmen müssen langfristig eingeleitet werden), dass eine Beschäftigung Schwangerer und stillender Mütter in den belasteten Räumen nicht mehr erlaubt ist. In einigen Räumen lagen die Ergebnisse sogar über dem Interventionswert (3000nm/m³), was zur sofortigen Schließung der Räume mit anschließender Grundreinigung führte.
Verschleiern, Verschleppen und Herunterspielen
Das zuständige Dezernat 5 der Ruhr-Universität hielt es nicht für nötig die MitarbeiterInnen und StudentInnen ausreichend zu informieren. Erst im Zuge von angeordneten ?Zwangsbeurlaubungen? wurden die Dekante aufmerksam und über die Fakultätsräte erhielt auch die Studierendenschaft Ende Juni die ersten Hinweise auf die stattfindenden PCB-Messungen. Informationsschreiben benötigten teilweise über drei Wochen von der Uni-Verwaltung bis hin zu den Dekanaten. Der AStA wurde erst auf hartnäckiges Nachfragen hin informiert. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, mussten dann die Dekanate, Personalräte und die Studierendenschaft ihre Berichte gegenseitig austauschen. Ankämpfen mussten wir auch gegen die weit verbreitete Meinung, dass auf Studierende, wegen ihrer kürzeren Anwesenheitszeiten an der RUB, eh weniger Rücksicht genommen werden muss. Trotzdem sollten Studierende wissen dürfen, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie den Campus betreten.
Da am Ende des Sommersemesters dem AStA erst wenige Messwerte vorlagen wurde die Zeit während der Sommersemesterferien genutzt, um sich ein vollständiges Bild der PCB-Problematik zu machen. Auch die zuständigen Stellen in der Uni-Verwaltung waren über die Aktivitäten des Öko-Referats in Kenntnis gesetzt, sahen aber ihrerseits weiterhin keinen Bedarf zu handeln. Somit ging der AStA zu Beginn des Wintersemesters in die Offensive, um möglichst alle Studierende der RUB zu informieren und auch gleichzeitig weitere Beratungsmöglichkeiten für Risikogruppen zu eröffnen. Auf Druck der Pressenachfragen hin richtete die Ruhr-Universität eine eigene PCB Webseite ein, etwa zwei Wochen nachdem der AStA dies tat. Es dauerte ein wenig, bis sich auch die Verantwortlichen in der Uni-Verwaltung allmählich bewusst wurden, dass sie nicht richtig informiert haben. So wurden später die ersten Fehler zugegeben. Mittlerweile funktioniert der Infomationsfluss mit der Uni-Verwaltung jedoch reibungslos.
Uni Sainerung: 2012+x
Die einzige Perspektive für die RUB ist eigentlich eine, wenn auch sehr teure, Komplett-Sanierung. So spielt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) als Gebäudebetreiber ein wenig auf Zeit, um sich bei den Sanierungsfragen nicht einem erhöhten Druck auszusetzen, zumal auch an anderen Hochschulen erhöhte PCB-Messwerte ermittelt werden. Mehrere Räume der FH Gelsenkirchen mussten im Dezember aus diesem Grund bereits geschlossen werden. So wird auch der erste Abschlussbericht hinsichtlich der PCB Problematik an der RUB, ursprünglich für Anfang Januar vorgesehen, wahrscheinlich erst in den Semesterferien fertig. Hier scheint nun der BLB die ganze Sache zu verzögern, um mit der Veröffentlichung in der vorlesungsfreien Zeit weniger Aufsehen zu erregen. Neben PCB steht auch noch die Asbest-Sanierung aus. Und zu allem Überfluss ergaben Trinkwasseruntersuchungen erhöhte Werte von Nickel, Eisen und Blei in einigen Gebäudeteilen. Die RUB ist ein Sanierungsfall, jedoch will der BLB eine komplette Sanierung der RUB erst bis zum Jahre 2012 abschließen.
Nur ein aktiver AStA kann den nötigen Druck auf die zuständigen Stellen in der Univerwaltung und dem BLB ausüben. Wir wollen uns weiterhin dafür einsetzen, dass studentische Interessen durchgesetzt und der Informationsfluss gewähleistet wird.
Alle Infos zu PCB findet ihr unter: www.asta-bochum.de/pcb





