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Unterwegs in Bochum
Kneipen, Kaffee, Konzerte, Komödien und Kultur
Kultur in Bochum ist Kultur im Ruhrgebiet. Wer nicht von hier kommt, wird bald feststellen, dass man zwar schnell in die Nachbarstadt fahren kann, es aber doch selten tut. Auf einer imaginären Nachtwanderung zeigen wir euch, was es in Bochum außerhalb der Uni zu sehen und zu erleben gibt.
UPDATE Dieser 5 Jahre alte Kneipenführer findet seinen Nachfolger in unsere aktuellen Zeitung (Stand Februar 2009)
Bochum ist keine Schönheit, auf der Königsallee finden auch keine Modeschauen statt (wie man dank Grönemeyer auch außerhalb weiß). Doch dort, wo die Königsallee aufhört, ist Sehen und Gesehen werden dennoch sehr wichtig. In der Nähe beginnt nämlich das berühmte Bermuda-Dreieck, das größte Kneipenviertel in Bochum.
Der Kneipenbummel
Beginnen wir am Engelbertbrunnen, mitten im Bermudadreieck. Soviel vorweg: Im Bermudadreieck ist zwar für jeden Geschmack etwas dabei, doch billig ist es dort nirgends! Wenn es Ende Oktober noch einigermaßen warm ist, sitzen ein paar besonders Tapfere im Konkret noch draußen. Ins Konkret geht man nicht alleine, sondern trifft sich dort mit Bekannten - wahlweise abends, nachmittags zum Kaffee oder am Sonntag zum gemütlichen Frühstück.
Um die Ecke bietet das Sachs (Viktoriastr.) ein kaltes postmodernes Ambiente. Dort werden zwar Platten aufgelegt, dafür könnte das Bier besser sein. Darum schnell weiter. Aber wohin? Im Freibeuter (Kortumstr.) lecker Hamburger Astra Bier trinken bis man Seekrank wird, oder lieber einen Cocktail schlürfen bei lateinamerikanischem Flair gemixt mit deutscher Rustikalität im Havanna?
Wir wollen aber lieber allmählich das Zentrum der Kneipenmeile verlassen. Weit kommen wir nicht, denn der Hunger zwingt uns ins Barrio (Viktoriastr.). Die Musik im Barrio ist zwar verdammt laut, aber dafür kann man beim leckeren mexikanischen Essen nach dem blumengeschmückten Zapata-Bild suchen.
Gestärkt landen wir auf der Suche nach Leben in der Kneipenecke rund um die Alte Hattinger Straße beim Schauspielhaus (keine fünf Minuten vom Bermudadreieck). Hier gibt es einige Läden, die aus der schwul-lesbischen Szene entstanden sind, aber von einem gemischten Publikum besucht werden. Das Orlando ist eher ein Ort des Zwiegesprächs beim Milchkaffee - garniert mit stylischen Sitzmöbeln aus halbierten Wäschezubern, Sofas und entspannter Elektronik-Musik. Im Freibad (Clemensstr.) kann man gut essen, Wein oder Cocktails trinken, sich in die alten Kinositze lümmeln oder auch mal eine Runde Billard spielen. Für gute Musik ist in der Regel gesorgt ...
Wer will, kann danach in die Szenekneipen für Theaterfans (z.B. die Eve Bar im Schauspielhaus) gehen. Wir gehen aber nochmal zum Bermudadreieck zurück. Als kleine Jugenderinnerung bleiben wir einen Moment am Mandra stehen (dort, wo die Bühne ist). Der Platz ist nach der Kneipe Mandragora benannt. Im Sommer, der leider vorbei ist, steht hier der größte Biergarten Bochums. Am hinteren Ende des Biergartens sitzt gerne die alternative Szene beim mitgebrachten Bier - im Bermudadreieck selbst gibt es aus Kommerzgründen weder eine Nachttanke noch einen Kiosk, dafür haben zwei Buden ganz in der Nähe bis 1 Uhr geöffnet. Findet sie!
Draußen ist es aber schon zu kalt, daher laufen wir durchs Bermudadreieck in Richtung Innenstadt. Im Bermudadreieck ist es unglaublich voll und es herrscht eine eher unangenehme Stimmung dort. Besonders schlimm ist es nach Fußballspielen, wenn besoffene Fans und Nazis Ausgang haben.
Auf dem Weg in die nördliche Innenstadt laufen wir am Oblomow vorbei, neben dem Ibis-Hotel am Südring gelegen - ein idealer Laden, um die Wartezeit auf den Nachtexpress oder die U-Bahn zu überbrücken. Die Getränke sind billig, alles ist etwas schmuddelig, aber dafür sehr nett. Manche würden zwar im „Ob" nie etwas essen, aber wir können die Pizza (z.B. „Pizza Single", Belag: Knoblauch und Zwiebeln) durchaus empfehlen.
Ein Stück weiter am Ring lang kommen wir zum Café Madrid (Nordring) - auch dort lässt es sich aushalten! Neben 1-A-Milchkaffee gibt es dort leckeres spanisches Essen. Manche Leute gehen wegen der guten Stimmung auch nur zum Fußball gucken ins Madrid.
200 m um die Ecke befindet sich das Betsy Meyers (Herner Str.), das wir euch nicht verheimlichen wollen. Sicher einer der Läden mit dem nettesten Publikum. Drinnen herrscht etwas Clubatmosphäre und es gibt zur Freude aller Lokalpatrioten wie beim Café Madrid das einzige in Bochum gebraute Bier: Fiege. Auch für WeintrinkerInnen oder zum Essen ist das Rauschen eine gute Adresse. Zwei Eingänge weiter ist die „Goldkante", ein kleiner Laden, bei dem man im Schaufenster sitzt, Coktails trinkt und Elektromucke hört.
Wenn es schon 3 Uhr ist, und niemand Lust auf Disco hat, gibt es eine richtig legendäre Kneipe als Alternative: den Intershop. Der I-Shop ist die ganze Woche über der Treffpunkt derer, die nicht schlafen gehen wollen, hier ist bis 5 Uhr morgens geöffnet. Bei brüllend lauter Musik (Elektro und Indie) trinkt man vor allem Pils, was in Rekordgeschwindigkeit vor einem steht, leer ist und wieder voll da steht .
Discos
Absolute No-Go-Area sind jene Großraumdiscos, die auch in den 90ern nicht tot zu kriegen waren. Das sind in Bochum so Läden wie Tarm Center und Prater. Von der Tendenz her geht die Matrix (nahe Denkmal in Langendreer) ebenfalls in Richtung Großraumdisse, dafür läuft auf den vier Tanzflächen jedoch meist brauchbare Musik - so gibt es regelmäßig Wave-/Rock-/Metal- oder Sonstwas-Abende oder thematische Partys. Der zweite und vierte Freitag im Monat ist eher etwas für Leute der Gothic-Szene. Dann finden die überregional bekannten „E:o:D"-Partys (zu deutsch: Reich der Dunkelheit;) statt.
Ansonsten kann man in die älteste Bochumer Disco, die Zeche, gehen. Wir wollen hier vor allem auf den Samstag hinweisen, an dem in der kleinen Halle Rock & Alternative läuft. Manchmal eine seltsame Mischung, aber schon okay für Leute mit Rockgeschmack.
ÖPNV-freundlicher als die Matrix sind die anderen Discos in Langendreer gelegen. Zum einen der gemütliche Grufti- und Punk-Schuppen Zwischenfall (S-Bhf. Langendreer-West), und zum anderen das soziokulturelle Zentrum Bochums, der Bahnhof Langendreer (S-Bhf. Langendreer). Im Zwischenfall gibt es an jedem ersten Freitag im Monat ehrlichen, dreckigen, sündigen Rock und Punk beim Rock’n’Roll Babylon - dazu trinkt man Korn mit Ahoi-Brause. In der Bochumer Stadtmitte sind das Riff (nahe Bermudadreieck) und das Stargate (Hans Böckler Str. in der Citypasage)) angesiedelt - erstes bietet für jeden Geschmack etwas, im zweitem trifft man eher Leute, die auf coole Partys bei lauschigem Punktrock, Hardcore aber auch HipHop Classix stehen. Aber Achtung: Das Stargate hat nur ein paar mal im Monat geöffnet, daher achtet auf Aushänge in der Stadt, die für Logo Club Party oder Flokati-Bar werben.
Konzerte
Eine richtig große Konzerthalle für Weltstars gibt es in Bochum nicht mehr (so was findet dann in Essen oder in Dortmund statt). Die größeren Konzerte gibt es entweder in der Zeche oder in der Matrix. Im Bahnhof Langendreer holt man eine sehr breite Palette von KünstlerInnen auf die Bühne: Theater, LiedermacherInnen, Kabarett, aber eben auch Konzerte aus dem Indie-/Rockbereich. Gegenüber des Bahnhofs liegt das Wageni, ein altes Verkehrsverein-Häuschen, in dem schmucke kleine Punkbands zum Tanz aufspielen. Das Zwischenfall ist für Konzerte der härteren Gangart (Punk, HC, Wave, EBM) bekannt. Und in der Bochumer Innenstadt finden nette kleine Konzerte mit Indybands in der Bastion (Springerplatz) statt.
Theater
Das Schauspielhaus genießt überregional zwar einen guten Ruf, leider hatte sich der letzte Intendant Hartmann in den Kopf gesetzt, nur noch Theater für die oberen Zehntausend zu machen. Hoffen wir, dass sein Nachfolger Elmar Görden wieder mehr Leben ins Schauspielhaus bringt! Einen Besuch wert ist auch das Prinz-Regent-Theater in der Zeche oder die Aufführungen studentischer Theatergruppen im Musischen Zentrum. Anfang Dezember veranstaltet die Studiinitiative Megaphon übrigens ein studentisches Theaterfest an der RUB. Aber auch hier sei noch mal auf die Bastion verwiesen, in der regelmäßig Lesungen, Kleinkunst u.ä stattfinden.
Kino
Neben den üblichen Kommerzkinos gibt es Bochum noch ein paar Kinos mit einem etwas weniger mainstreamigen Programm: Das Metropolis im Hauptbahnhof und das Kino Endstation im Bahnhof Langendreer. Beide geben Studirabatt. Und die Studiinitiative SKF bietet jeden Dienstag und Donnerstag im HZO 20 schicke Indy-Filme an.
Flohmärkte/Trödel
Einen Flohmarkt in Bochum kennt jeder: Den großen Flohmarkt rund ums Rathaus an jedem dritten Samstag im Monat. Hier sind keine professionellen Händler, sondern nur private Trödler. Auf dem Parkplatz der Fachhochschule findet am ersten Sonntag jeden Monats ein Flohmarkt statt, der auch ganz okay ist. Regelmäßiger sind die Flohmärkte an der Uni Dortmund und an der Uni Essen: An jedem Samstag wird hier getrödelt, allerdings sind recht viele professionelle Händler da.
Für preiswerte Möbel und Kleidung lohnt sich ein Besuch in einer Trödelhalle (z.B. in der Schmidstr., in der Robertstr. oder die Flohmarkthallen hinter dem Bahnhof), hier findet man mit etwas Glück auch eine Waschmaschine für wenig Geld.
Wo finde ich Kulturtermine?
Auf der Suche nach Kulturterminen gilt der erste Blick dem Umsonst-Magazin Coolibri - hier stehen alle wichtigen Termine für Bochum, Essen und Dortmund drin. Wer es gerne etwas ausführlicher mag und den Kaufpreis nicht scheut, ist mit dem Stadtmagazin Marabo gut beraten. Um zu wissen, was an der Uni los ist, sollte man regelmäßig einen Blick in die BSZ werfen.
Im Internet gibt es Kultur- und Polittermine auf www.bo-alternativ.de - hier stellen sich zudem zahlreiche Initiativen vor und man kann aktuell alles lesen, worüber die WAZ nicht bzw. so nicht berichtet. Auf unserer Terminseite haben wir den studentischen Partykalender von stud.rub.de eingepflegt.





