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Vollversammlung an der Ruhr-Uni:

Gähnende Leere und Parteipolitik

Am vergangenen Mittwoch fand die erste Universitäts-Vollversammlung aller Studierenden unter der Leitung des neuen AStA, bestehend aus einer Koalition von Jusos, RCDS und LHG, statt. Der Begriff Vollversammlung (VV) ist allerdings etwas irreführend. Zu Beginn der VV um 12 Uhr hatten sich ca. hundert Studierende im HZO 30 versammelt. Die Beach-VV, die der AStA vollmundig angekündigt hatte, musste ausfallen, da der „Beach“ (20 m² Sandfläche vor dem Audimax) nur am Tag der GutachterInnen Begehung der Exzellenzinitiative genutzt wurde.

Politikverdrossenheit oder schlechte Werbung?

Die erschreckend geringe Zahl der Besucher dürfte wohl kaum auf ein Desinteresse der Studierenden an den diskutierten Themen, sondern vielmehr auf die schlechte Ankündigung zurückzuführen sein. Während der neue AStA für seine Partys großformatige Transparente drucken lässt, bewirbt er seine erste VV lediglich mit grau-weißen DIN A4 Plakaten. In Anbetracht der Tatsache, dass die VV die höchste beschlussfassende Instanz der studentischen Selbstverwaltung ist, in der die Stimme jedes Studierenden zählt, ist es besonders traurig, wie wenig Wert Jusos und Konsorten offensichtlich auf das Votum der Studierenden legen. Dass die anwesenden Studis reges Interesse an den diskutierten Inhalten hatten, zeigte sich im Laufe der Podiumsdiskussion, in der erst viel zu spät Fragen aus dem äußerst kritischen und engagierten Publikum zugelassen wurden.

Inhalte!?

Die Tagesordnung sah neben einer Resolution zum Hochschulrat, Infos zum NRW-Semesterticket und Werbung für die einzige Aktivität des AStA gegen Studiengebühren (die gähnend leere HP „Gebuehrenwatch“) eine Podiumsdiskussion zur Exzellenzinitiative vor. Eine Stunde lang durfte das Podium, bestehend aus Fabian Ferber (AStA-Vorsitz), Heike Gebhard (SPD), Stefan Berger (CDU) und Bernhard Stöckhert (Prorektor) unkritische Fragen des Moderators und des AStA-Referenten Malte Dürr beantworten, bevor Fragen aus dem Publikum zugelassen wurden. Der Diskussionsfaden ging danach ziemlich schnell verloren und die Themen Studiengebühren, Bachelor/Master-Problematik, Hochschulfreiheit und Exzellenzinitiative vermischten sich und die MdL’s nutzten die Gelegenheit, für ihre Partei zu poltern, während der AStA Vorsitzende nicht müde wurde, kritische Nachfragen aus dem Publikum mit Wischi-Waschi-Aussagen (Wir sind gegen die Exzellenzinitiative, aber dafür wenn die RUB gewinnt) zu beantworten. Der Prorektor für Lehre war bemüht die Kritik am BA/MA Studium und der möglichen Ungleichbehandlungen der Geisteswissenschaften gegenüber den anderen Bereichen mit Optimismus („Sie werden schon sehen, dass das gut wird“) in Manier des Rektors zu zerstreuen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vertreter des AStA sowohl in der Moderation, die, wie oben angedeutet, nicht im Entferntesten bemüht war, echte Widersprüche in den Aussagen der Podiumsmitglieder aufzudecken, oder hohle Phrasen zu hinterfragen, als auch in Form der leeren Worte ihres Vorsitzenden, deutlich versagt haben.

„Niederlage“ des AStA

Den eigentlichen Schwerpunkt der VV leitete Christian Anders (Juso, Referent für Hochschulpolitik) ein, indem er begann, den verbliebenen ca. 50 Studierenden die seit 2 Stunden ausliegende Resolution gegen den Hochschulrat vorzulesen, bis er vom gelangweilten Publikum unterbrochen wurde. Verabschiedet wurde die Resolution nicht, da aus dem Plenum der Antrag auf Verschiebung auf eine angemessen besuchte VV gestellt wurde. Auch ohne die auf Vollversammlungen übliche Protokollierung und ohne Konzept führte der Moderator eine Abstimmung durch, in der der scheinbar nicht vollständig anwesende AStA mit 10 (es gibt über 20 ReferentInnen) zu 25 Stimmen unterlag. Malte Dürr gestand der Vollversammlung die Niederlage ein („Da könnt ihr jetzt schreiben, dass ihr gewonnen habt.“). Interessant ist dabei der Versuch des neuen AstA, eine derart wichtige Resolution auf einer so schlecht besuchten VV durchstimmen zu lassen, anstatt freiwillig die Vertagung anzuerkennen und in einem zweiten Anlauf die demokratische Legitimation einer breiten studentischen Mehrheit für ihre Resolution zu nutzen.

Fazit

Getoppt wurden die folgenden belanglosen Infos (Es werden Verhandlungen zum NRW Semesterticket geführt, der Preis könnte zwischen 30 und 35 Euro liegen) nur von den Kommentaren des AStA-Vorstandsmitglieds Roman Scheuschner: „Geisteswissenschaften sind reine Ressourcenverschwendung.“, und seines Kollegen Sascha Bednarz, der sich als Anhänger des Sozialdarwinismus outete. Dies waren wahrscheinlich nicht nur die ehrlichsten, sondern auch die klarsten Aussagen der Veranstaltung. Insgesamt hatte die Mehrheit der anwesenden Studis am Ende dieses Trauerspiels den ernüchternden Eindruck, in eine Selbstdarstellungs-Veranstaltung des neuen AStA hineingeraten zu sein. Eigentlich wäre das auch schon schlimm genug, doch der Zirkus war dabei nicht einmal gut durchdacht, geschweige denn angemessen vorbereitet oder organisiert.

Listentreffen

Die alternative liste trifft sich momentan dienstags um 18.00 Uhr im AStA-Flur, um danach in eine passende Räumlichkeit zu wechseln.

Wir freuen uns, wenn ihr vorbei kommt!

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